Hat Norbert Blüm als Politiker und ausgemachter Profi im reifen Alter von fast 80 Jahren endlich die Wahrheit herausgefunden?
Immerhin sagt er: „Meine Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit war Kinderglaube“.
Werden wir also von Politiker.I.nnen regiert, die erst lange nach ihrer politischen Karriere feststellen, was tatsächlich in unserer Gesellschaft abläuft? Ist damit alles, was sie vorher entschieden haben, auf einer bloßen Fiktion von Realität aufgebaut?
Das würde viel von dem erklären, was wir real erleben und was uns auch an jedem Wahltag verzweifeln lässt.

Wenn Norbert Blüm nun die Wahrheit endlich begriffen hat, hat er das auch wirklich?

Ich zitiere aus der Seite 80 seines Buches:

„Erpresstes Sorgerecht
Im Familiengericht umfassen die Vergleichsmöglichkeiten auch so delikate Fragen wie das Kindeswohl. Das Kind wird zum Objekt des Vergleichs, der über sein weiteres Leben entscheidet. Zwar kann auch hier Streit durch Einigung geschlichtet werden. Doch wenn der Friede der Einigung das Ergebnis einer erpressten Zustimmung ist, sind die Folgen mit großen seelischen Verletzungen verbunden. „Keine (gesunde) Mutter wird einem Vergleich nicht zustimmen, wenn ihr im Vorfeld erklärt wird, dass sie zum Beispiel die elterliche Sorge verliert, wenn sie nicht kooperiert.“ (Mütterlobby, 31. Oktober 2013).“

Norbert Blüm unterstellt zunächst, dass ein Vergleich potentiell kindeswohlwidrig ist und dass die Masse der Vergleiche zu Lasten von Müttern gehen. Vielleicht muss er erst erleben, dass er als Opa oder Uropa seinen Enkel oder Urenkel nicht mehr zu Gesicht bekommt, um auch im Greisenalter die Lernschritte zu machen, die er in seiner Zeit, bevor er Politiker wurde, versäumt hat?

Und auf Seite 81 geht es weiter:

„Das Betreuungsmodell, nach dem die Kinder ihren Aufenthaltsort zwischen Mutter und Vater wechseln, gilt in letzter Zeit als Ausdruck konfliktlösender Modernität. Das „Paritätsmodell“ wird entsprechend beworben und medial vermarktet. Es nimmt seine gestalterische Anregung offenbar aus dem System des Legobaukastens, aus dem die Klötzchen nach den Ideen des Bastlers gelöst, eingesetzt und umgebaut werden. Doch Kinder sind keine leblosen Klötzchen. Der familiengerichtliche Eifer übersieht, dass Kinder ihr Umfeld mit sich tragen, es ist nicht beliebig auswechselbar. Heimat gibt es nur im Singular. Selbst die Nomaden wussten dies. Ihre Fortbewegungen waren keine Pendelbewegungen.
Das Wechselmodell bietet den Vorteil, dass der unterhaltspflichtige Elternteil seine Kosten mindert, wenn der Kindesaufenthalt geteilt wird. In der Regel sind die Mütter die Benachteiligten. Sie behalten die Sorge – der Vater zahlt weniger Unterhalt.“

Immerhin – auf dem Cover steht, dass das Buch kein Sachbuch ist, sondern eine Polemik.
Sachverstand muss also nicht sein, der Autor kann auch mal voll daneben greifen, ohne dass er angreifbar ist.
So gesehen wandert diese Passage ohne weitere Kommentierung in die Entsorgung.

Norbert Blüm hat in hohem Alter wohl viel zu spät begriffen, wie unsere Justiz funktioniert. Dafür dürfen wir ihm gratulieren und gönnen ihm seine Befriedigung über diese Lernfähigkeit auch im Greisenalter.

Was er immer noch nicht begriffen hat, sind die gesellschaftspolitischen Dimensionen, die gerade das Familienrecht so sehr bestimmen. Es sind nämlich nicht nur die Gerichte, die Familienrechtspraxis in unserem Land so auffällig machen. Es ist die gesamte familiale Interventionsszene, die frauendominiert und mütterzentriert arbeitet und ihre Ressourcen zu einem hohen Anteil aus den mit Steuergeldern von uns allen gespeisten Frauenförderkanälen bezieht.

Ich möchte in 10 Jahren einen glücklich strahlenden Norbert Blüm sehen, der sein neues Buch „Einsicht – Wider das Walten der Emanzen – Eine Polemik“ vorstellt.